Traumberuf Sportler?
Jede Menge Kohle, an jedem Finger eine/n Verehrer/in und Partys bis zum Abwinken. Hin und wieder auf dem Feld ein paar Körbe werfen oder einen Cha-Cha-Cha aufs Parkett legen, hier und da ein Autogramm schreiben, aber sonst weder viel tun noch viel im Kopf haben. Basketballer oder Tänzerin müsste man sein – oder?
Die Realität sieht anders aus. Das beweisen Brian Brown und Jennifer Harms. Der 28-jährige US-Amerikaner spielt für die Bremerhavener Eisbären. Jennifer (21) tanzt in der Latein-A-Formation der TSG Bremerhaven – und ist mit dieser gerade Weltmeisterin geworden. Die beiden heben also ab, sportlich gesehen. Denn ansonsten bleiben sie auf dem Teppich.

Brian Brown fliegt zum Korb. Foto: Scheschonka
Brian Jones ist hauptberuflich Sportler, Jennifer Harms sieht den Sport als großes Hobby und als Nebenjob – allerdings kann sie damit keine Brötchen verdienen. Das muss sie schon anders schaffen. Derzeit studiert Jennifer „Public Health“ (Gesundheitswissenschaften) an der Bremer Uni, ihre Eltern unterstützen sie finanziell.
Jennifer ist in Hamburg geboren, zwischendurch nach Hessen gezogen, dann wieder nach Hamburg gegangen, bis sie schließlich Ende vergangenen Jahres nach Bremerhaven gekommen ist. Denn ihren Studiengang gibt’s nur in Bremen. Außerdem ist die 21-Jährige froh, so endlich mit ihrem Liebsten zusammenleben zu können. Kennen gelernt hat sie ihn vor vier Jahren übers Internet.
Viel Zeit bleibt ihnen im Alltag aber auch jetzt nicht, obwohl sie zusammenwohnen. Schließlich trainiert Jennifer an fünf bis sechs Tagen in der Woche. Als sie vier Jahre alt war, hat sie mit Ballett angefangen und mit acht Jahren hat ihre Mutter sie in den Tanzkreis geschickt. „Sie hat vielleicht meine Freude am Tanzen entdeckt und gedacht, dass muss ich fördern. Ich bin meiner Mutter sehr dankbar“, sagt Jennifer mit einem Funkeln in ihren rehbraunen Augen.
„Es war ein Auf und Ab in meiner Tanzkarriere“
Zwischendurch hat sie aber mehrmals aufgehört zu tanzen – mal stand der Reitsport im Vordergrund, mal machte das Knie Probleme. „Es war ein Auf und Ab in meiner Tanzkarriere.“ Zuletzt pausierte sie drei Jahre. Vor vier Monaten hat sie erst wieder angefangen – in Bremerhaven. „Angemeldet hatte ich mich im C-Team. Ich wollte einfach mal wieder tanzen.“ Dann wurden Leute fürs B-Team gesucht. Schließlich kam es noch besser – Trainer Horst Beer wollte sie im A-Team sehen. „Ich hab gedacht, ich bin im falschen Film, und habe mich tierisch gefreut.“
Im Vergleich zu Brian Brown kann Jennifer mit ihrem Sport kein Geld verdienen. Zudem hat Tanzen nicht so viele Anhänger wie Basketball. „Aber ich habe das Gefühl, dass der Tanzsport auf einem aufsteigenden Ast ist“, sagt Jennifer. Shows wie „Let’s Dance“ würden dazu beitragen. „Viele haben durch die Sendung das erste Mal gesehen, dass Tanzen auch Sport ist. Es ist aber auch Spaß, es ist mein Leben. Es geht für mich gerade ein Kindertraum in Erfüllung.“ Schließlich wollte Jennifer schon immer in der Bundesliga tanzen – allerdings in der Zweiten. „Ich hatte immer Angst, dass das Ziel, das ich mir stecke, zu hoch ist. Dass es mit dem Studium nicht klappt.“ Aber zurzeit klappt es sehr gut. „Wenn sich die Möglichkeit ergibt, würde ich es gern als ersten Job machen.“ Aber weil ihr diese Perspektive zu unsicher ist, setzt sie darauf, ihr Studium gut abzuschließen und einen guten Job zu finden.
„Tanzen ist Lebensfreude“
Außerdem seien Berufssportler einem viel höheren Druck ausgesetzt. „Die müssen ihre Körbe werfen, um Geld zu verdienen.“ Klar möchten auch Jennifer und ihr Team immer die bestmögliche Leistung bringen – aber eben vor allem aus Spaß am Sport. „Denn Tanzen ist Lebensfreude“, betontJennifer.
Als Lebensfreude würde wohl auch Brian Brown seinen Job beschreiben. Er ist Profi -Basketballer und hat damit seinen Traum verwirklicht: Er hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und kann gut davon leben – einen Plan B hat er trotzdem in der Tasche.
Leistung muss stimmen
Natürlich wird nicht jeder mal eben so Profi -Basketballer: Nur wer Top-Leistung bringt, bekommt auch Angebote von Top-Vereinen – so wie Brian Brown eben. Der 1,91-Meter-Mann ist kein unbeschriebenes Blatt, die Liste seiner bisherigen Stationen lang: In den USA spielte Brian bereits zu College-Zeiten für die Ohio State University. 2002 wechselte er in die Basketball-Bundesliga nach Deutschland, wo er für eine Saison für die Telekom Baskets Bonn auf Korbjagd ging. Obwohl er anschließend wieder in die USA zurückkehrte, um für die Fayetteville Patriots zu punkten, führte ihn sein Weg 2004 erneut nach Deutschland, zum TBB Trier. Im Jahr 2006 ließ sich der Amerikaner beim französischen Erstligisten Hyères-Toulon Var Basket verpflichten, bis er schließlich Mitte 2007 in der Seestadt landete. Hier hat Brian Brown einen Zweijahresvertrag unterzeichnet und zählt bei den Eisbären zu den Spielmachern des Teams.
„Ich muss nicht dauernd Party machen“
„Ich mag Bremerhaven – wir haben einen tollen Trainer, der nicht zu aufbrausend ist, die Jungs im Team sind cool und die Fans sind echt klasse“, sagt der gebürtige New Yorker. Sicherlich auch nicht zu verachten: Der Verein zahlt den Spielern neben ihrem Gehalt auch Wohnung und Auto. Dass Bremerhaven keine boomende Metropole wie zum Beispiel New York ist, stört den 28-Jährigen nicht. „Ich bin etwas ruhiger und muss nicht dauernd Party machen“, sagt er. Die Frau seines Herzens heißt Kim und begleitet ihn bei all seinen Auslandsaufenthalten. So ist es auch kein Wunder, dass ihn die vielen weiblichen Fans nicht sonderlich interessieren. „Das sind meistens 16-jährige Teenager. Natürlich gibt es auch Basketballer, die das gerne mal ausnutzen, aber aus dem Alter bin ich raus“, meint Brian.
Der Erfolg bedeutet auch, dass Brian Brown ständig auf Achse und fernab von Familie und Freunden ist. Auf jedes Team und jedes Land muss er sich neu einstellen. Auch sein Tagesablauf lässt nicht viel Spielraum für Freizeit: Zweimal täglich Training, zwischendurch Fitness-Studio, einmal pro Woche Deutschunterricht und die Spiele.
Der versteckte Kriminologe
Hört sich irgendwie doch nicht mehr so traumhaft an, oder? „Wenn du tust, was du liebst und damit noch deinen Lebensunterhalt bestreiten kannst, dann ist es ein Traumjob.“ Brian Brown sagt diese Worte mit viel Überzeugung. Dennoch drängt sich eine Frage auf: Was passiert danach? Schließlich sind es nicht nur Verletzungen, die der Karriere ein plötzliches Ende setzen können. Ab einem gewissen Alter erledigt sich die Sportlerkarriere schlichtweg von selbst.
Doch Brian Brown macht sich da keine Sorgen: „Solange ich mich körperlich gut fühle und die entsprechende Leistung bringen kann, werde ich weiterhin als Basketballer mein Geld verdienen.“ Auch für die Zeit danach hat der sympathische Guard der Eisbären schon einen Plan: „Wenn es soweit ist, würde ich gerne als Trainer arbeiten. Außerdem habe ich einen Abschluss in Kriminologie und könnte mir auch vorstellen, in diesem Bereich zu arbeiten.“
Text: Kerstin Mund/Christin Otto
Foto: Lothar Scheschonka


Kommentieren