Fette Geburtstagsparty mit norddeutschen Broten

Fette Party mit Fettes Brot – DEICHHELDEN war dabei.

Kurze Hosen, Krawatte und Jakett – lässig-elegant standen sie beim dritten Geburtstag des Deutschen Auswandererhauses auf der Bühne: Fettes Brot. Schon bei ihrem ersten Song hatten sie die 5500 Zuschauer auf dem Gelände und die vielen Zaungäste auf der anderen Seite des Hafenbeckens auf ihrer Seite. Mit Songs wie “Emanuela” und “Bettina, zieh dir bitte etwas an” zeigten Dr. Renz, König Boris und Björn Beton, dass sie Hip-Hopper der ersten Klasse sind. Doch die drei Hamburger haben auch eine leise und sensible Seite, die sie bei dem Stück “Ich lass dich nicht los”, das sie zusammen mit Pascal Finkenauer sangen, rausließen. Bei “Erdbeben” ging die Party richtig los und die Menge vor der Bühne kochte. Die Berliner Newcomerin Johanna Zeul stimmte auf das Hamburger Trio ein.

[slideshow=1]

Hier geht es zu den Party-Pics

“Wir sind im Moment einfach unschlagbar”

Noch bevor Fettes Brot Bremerhavener Boden betrat, klingelte DEICHHELDEN-Mitarbeiterin Christin Otto bei Martin Vandreier alias Dr. Renz an und sprach mit dem 34-Jährigen.

DH: Der Geburtstag des Deutschen Auswandererhauses – für euch ein Heimspiel?

Dr. Renz: Ja, das ist jetzt das dritte Mal, dass wir zum Geburtstag des Deutschen Auswandererhauses auftreten. Für uns waren das immer sehr schöne Konzerte – mit dem Bremerhavener Publikum haben wir beste Erfahrungen gemacht, und natürlich ist die Kulisse direkt am Hafen malerisch schön. Dank der relativ geringen Eintrittspreise war das Ganze immer wie ein großes Familienfest.

DH: Kommt ihr wieder?

Dr. Renz: Klar kommen wir wieder. Wir werden natürlich nicht versprechen, dass wir hier jährlich bis an unser Lebensende aufschlagen, aber grundsätzlich spricht nichts gegen weitere Auftritte.

DH: Eure letzten beiden Singles „Bettina” und „Erdbeben” drehen sich, plump gesagt, um Ärsche und Brüste. Mehr als nur Spaßnummern?

Dr. Renz: Beide Lieder funktionieren auf einer oberflächlichen Partyebene, denn man kann einfach gut dazu tanzen und feiern. Trotzdem haben beide Songs durchaus sozialkritische Ansätze, die man als Zuhörer zulassen kann oder nicht.

DH: Was kritisiert ihr denn?

Dr. Renz: Bei „Bettina, zieh dir bitte etwas an” geht es um die Übersexualisierung unserer Gesellschaft. Man wird heutzutage an jeder Ecke – ob man will oder nicht – mit irgendwelchen pornografischen Bildern zugeschüttet, und das alles fällt uns kaum noch auf. Überall wird mit nackter Haut geworben, obwohl das Produkt selbst gar nichts mit Sex zu tun hat. Nacktheit wird als besonders aufgeschlossen und modern dargestellt, dabei ist es nur das Merkmal einer verklemmten Gesellschaft, die keine besseren Wege findet, um ihre oft überflüssigen Produkte an den Mann zu bringen. Das nervt.

DH: Das heißt, eigentlich seid ihr Frauenversteher?

Dr. Renz: Selbstverständlich. Aber das ist auch ein Song, der sich für die Männer einsetzt – schließlich ist das für die auch ein Problem. Bei „Bettina” geht es auch darum, wie einfach es ist, an pornografisches Material ranzukommen. Unsere These ist, dass durch die Flut an „geilen Nacktbildern” die eigentliche Romantik und Lust im heimischen Schlafzimmer verloren geht.

DH: Sprichst du da aus eigener Erfahrung?

Dr. Renz: Darüber würde ich mich in einem Interview nie auslassen.

DH: Beim eher souligen Vorgängeralbum „Am Wasser gebaut” wurde euch bescheinigt, ihr seid musikalisch erwachsener geworden. Das neue Album „Strom und Drang” ist das krasse Gegenteil – wild und beatgeladen. Eine Revolte?

Dr. Renz: Mit „Am Wasser gebaut” haben wir viele Familien und alle Altersgruppen erreicht. Das ist natürlich toll, aber dann kitzelt es einen, beim nächsten Album etwas zu machen, was im ersten Augenblick verstörend wirkt. Wir mögen das Neue und Unerwartete, und als Band muss man auch immer aufpassen, dass man nicht zu berechenbar ist. Wir sind schließlich keine Dienstleister, sondern Künstler.

DH: Eine Strategie, um die Ü-30-Fans loszuwerden?

Dr. Renz: Nein, wir wollten nicht auf Teufel komm raus blöd provozieren. Schließlich haben wir Themen angesprochen, die uns interessieren, aber wir haben uns eben auf eine sehr wilde, nach vorne preschende, sackhaarige Art und Weise ausgedrückt.

DH: Ihr seid eine Band, die sich oft neu erfindet. Kann man euch eigentlich noch als Hip-Hop-Band bezeichnen?

Dr. Renz: Unsere Wurzeln liegen auf jeden Fall im Hip Hop. Aber wir wissen natürlich, dass wir bestimmte genretypische Dinge nur noch zeitweise machen. Ein Fan von uns hat mal gesagt „Ich weiß echt nicht, was ihr da macht, aber ich find’s echt geil und nenne das einfach mal ‚Special Hip-Hop’”. Diese Schublade haben wir angenommen und ordnen uns seither unter „Special Hip-Hop” ein.

DH: Warum ist Fettes Brot nun schon so lange erfolgreich? Ein Geheimrezept?

Dr. Renz: Das eine Geheimrezept haben wir nicht. Aber wenn man sich selbst und die Zuschauer immer wieder überrascht und herausfordert, dann bleibt eine Band interessant.

DH: 15 Jahre seit ihr schon im Geschäft. Denkt ihr ans Aufhören?

Dr. Renz: Uns macht das alles riesigen Spaß und wir wollen auf jeden Fall noch ein bißchen weitermachen. Wie lange dieses bißchen sein wird, kann man nicht genau sagen. Wir waren noch nie eine Band, die lange in die Zukunft geplant hat. Das ist bei uns ähnlich wie in einer guten Beziehung – so lange es Spaß macht und man sich miteinander wohlfühlt, denken wir nicht ans Aufhören. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht und ich habe das Gefühl, dass wir im Moment einfach unschlagbar sind.

DH: Unschlagbar? Seid ihr Prolls?

Dr. Renz: Klar braucht man Selbstbewusstsein. Was ich am Hip-Hop immer schon zu schätzen wusste – man kann sich als der Größte anpreisen, ohne gleich als völlig größenwahnsinniger Kerl durchzugehen. So lange das auf einer sportlichen Ebene stattfindet, ist es ja auch völlig ok, selbstbewusst zu präsentieren, was man kann. Und unseren Fans dürfte nicht entgangen sein, dass wir durchaus auch mal nachdenkliche Töne anschlagen.

DH: Und für diejenigen, die immer noch rätseln: Woher kommt der Name „Fettes Brot”?

Dr. Renz: Der Rapper Spax hat uns mal auf einem Konzert gesehen als wir noch keinen Namen hatten und meinte damals „Mensch, das war ein fettes Brot” und da haben wir uns den Bandnamen einfach geangelt.

Fettes Brot – live

8. August, Saalburg: SonneMondSterne-Festival
9. August, Rothenburg o.d.T.: Taubertal Open Air
10. August, Eschwege: Open Flair
16. August, Gampel in der Schweiz: Open Air Gampel
17. August, Hamburg: Dockville
22. August, Braunschweig: Strom & Drang Open Air 2008
23. August, Gelsenkirchen: Stattgeflüster Open Air 2008
24. August, Köln: Odonien Open Air

Eine Antwort an “ Fette Geburtstagsparty mit norddeutschen Broten ”

  1. Kurze Hosen, Krawatte und Jakett – aber auch absolut trendy Kniestrümpfe ;)

    Man achte auf die kleinen Details…

Kommentieren

Regeln für Kommentare