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Schüler sagen als Zeugen vor Gericht aus

Bisher war Kevin mit milden Strafen davongekommen. Dieses Mal lief es anders. „Eineinhalb Jahre Haft ohne Bewährung“ lautete das Urteil des Jugendgerichts. „Krass“, entfuhr es einem Jugendlichen im Zuschauerraum. Spätestens bei der Urteilsverkündung wurde den Schülern im Gerichtssaal klar, welche Folgen Mobbing haben kann. Von Julia Ladebeck

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Im simulierten Gerichtsverfahren trat René Hartung beim Jugendgerichtstag als Zeuge auf. Foto: asc

Rund 80 Jugendliche nahmen am vierten Jugendgerichtstag im Amtsgericht Bremerhaven teil, bei dem in einem sogenannten „Mood Court“ (fiktives Gericht) ein hypothetischer Fall in einem simulierten Gerichtsverfahren verhandelt wurde. Im Mittelpunkt stand das Thema Mobbing in der Schule. „Gewalt ist nicht cool, sondern hat einschneidende Folgen“, sagte Uwe Lissau, Präsident des Amtsgerichts Bremerhaven, vor der Verhandlung. „Mobbing hat nichts mit Hänseleien zu tun. Bei Mobbing werden Einzelne wiederholt gequält. Nicht selten erreicht Mobbing kriminelle Ausmaße und der Täter landet vor dem Jugendschöffengericht.“

Neben Schülern des Förderzentrums Kerschensteinerstraße in Bremen-Vegesack nahmen Schüler vom Internatsgymnasium Bad Bederkesa und des Schulzentrums Geschwister Scholl teil. Nicht nur als Zuschauer waren sie im Gerichtssaal dabei – einige übernahmen die Rollen von Zeugen und Nebenklägern. Unterstützt wurden sie von Juristen und Behördenmitarbeitern, die Rollen der Verfahrensbeteiligten einnahmen.

Staatsanwalt Hilâl Ötztürk verlas die Anklagepunkte, die dem Täter vorgeworfen wurden. Der 18-Jährige hatte seine Mitschülerin Jaqueline im Schwimmunterricht belästigt und dann in das Schwimmbecken geschubst, obwohl er wusste, dass sie nicht schwimmen konnte. Später belästigte er sie zudem per Telefon.

„Wäre mir das wirklich passiert, würde die Verhandlung bestimmt viele Erinnerungen wachrufen“, sagte Güldiyar Ciray (13), die das Opfer spielte. René Hartung (14) trat als Zeuge Dennis auf. Er vermutete: „Ich glaube, echte Zeugen haben viel mehr Angst als wir.“


Artikel vom 17.03.10 - 12:04 Uhr
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