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Rauschende Nacht der Goldjungen


Los Angeles. Christoph Waltz musste nicht lange warten. Gleich zu Beginn der Oscar-Gala – als erster Preisempfänger – krönte Hollywoods Filmakademie den Österreicher zum besten Nebendarsteller des Jahres. Niemand hatte an dem Siegeszug des „Inglourious Basterds“-Stars wirklich gezweifelt, nur er selbst wollte dies bis zuletzt nicht wahrhaben. Von Barbara Munker


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Beste und schlechteste Schauspielerin: Gerührt nimmt Sandra Bullock den Oscar für ihre Leistung im Film „The Blind Side“ entgegen – zuvor war sie für ihren Auftritt im Kino-Flop „Verrückt nach Steve“ mit der Goldenen Himbeere abgestraft worden. Foto dpa

Die Gewinnprognosen habe er sich „sehr erfolgreich vom Leib gehalten“, verriet der Oscar-Gewinner – mit dem Goldjungen in der Hand – hinter der Bühne. Das war es dann auch für Deutschland und Österreich, nach der Krönung von Waltz zu Hollywoods neuem „Euro-Star“.

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Beste und schlechteste Schauspielerin: Gerührt nimmt Sandra Bullock den Oscar für ihre Leistung im Film „The Blind Side“ entgegen – zuvor war sie für ihren Auftritt im Kino-Flop „Verrückt nach Steve“ mit der Goldenen Himbeere abgestraft worden. Foto dpa
Für den nach Preisen in Cannes und bei den Golden Globes erfolgsverwöhnten Michael Haneke und sein Team von dem Schwarz-Weiß-Drama „Das weiße Band“ platzten die Oscar-Hoffnungen. Auch der österreichische Kameramann Christian Berger, der die hypnotischen Bilder für den Vorkriegsthriller eingefangen hatte, musste sich mit seiner Nominierung trösten. Der deutsche Star-Komponist Hans Zimmer – zum achten Mal für einen Oscar nominiert – konnte mit der Filmmusik für „Sherlock Holmes“ in diesen Jahr nichts gewinnen.

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Auftritt der Stars (von links oben im Uhrzeigersinn): Im „Avatar“-Kostüm verleiht Komiker Ben Stiller den Oskar für das beste Filme-Make-up; Regisseurin Kathryn Bigelow lässt sich für ihren Oscar feiern; Mo’Nique ist hin und weg ob ihrer Auszeichnung als beste Nebendarstellerin; Jeff Bridges bekommt den Oscar als bester Hauptdarsteller. Fotos AFP/dpa
Wie gut, dass Hollywoods durchtrainierte Powerfrau Kathryn Bigelow starke Arme hat. Gleich zwei Oscar-Statuen – zusammen immerhin acht Kilogramm schwer – stemmte die Regisseurin auf der Bühne. Ihr Action-Kriegsdrama „The Hurt Locker“ („Tödliches Kommando“) war mit sechs Preisen, darunter in der Königskategorie „Bester Film“, der Oscar-Abräumer. „Ich hoffe, ich bin die Erste von vielen“, strahlte Bigelow über ihren geschichtsträchtigen Sieg. Als erste Frau in 82 Jahren Oscar-Business konnte sie die männliche Konkurrenz in die Knie zwingen, darunter auch ihren Ex-Ehemann, „Avatar“-Regisseur James Cameron.

Siegerin diplomatisch

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Diese Fragen konnten sich die Reporter Backstage nicht verkneifen, was es für sie bedeutet, Cameron geschlagen zu haben? „Nun, gleich vorneweg, ich denke, er ist wirklich ein außergewöhnlicher Filmemacher“, lenkte Bigelow diplomatisch ein. Cameron war mit neun Nominierungen in das Rennen um die Trophäen gezogen. „Avatar“, der teuerste und zugleich erfolgreichste Film aller Zeiten, wurde jedoch mit drei Oscars abgespeist, darunter für Kamera und Spezialeffekte.

Auf der Bühne hielt Jeff Bridges den ersten Oscar in seiner langen Filmkarriere stolz in die Luft. Hinter den Kulissen gab der „Crazy Heart“-Star dann mit einem Glas Champagner in der einen und dem Goldjungen in der anderen Hand zum Besten: Nun sei er zwar zum besten Schauspieler gekürt worden, doch er wolle vor allem mehr Musik machen.

Bullock zu Tränen gerührt

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Komödienstar Sandra Bullock hat ihren ersten Oscar dem Sozialdrama „The Blind Side“ zu verdanken, in dem sie eine Mutter aus der Oberschicht spielt, die einen schwarzen Jungen in ihre Familie aufnimmt. Zu Tränen gerührt, dankte Bullock auf der Weltbühne ihrer verstorbenen deutschen Mutter. Backstage schickte sie Grüße an ihre Verwandtschaft in Deutschland: „Ich liebe euch, ich vermisse euch, und ich sehe euch ganz bald. Gute Nacht, schlaft gut“, sagte die Oscar-Gewinnerin in fast perfektem Deutsch.

Sie wolle den Oscar und ihre Goldene Himbeere gleich nebeneinander ins Regal stellen, letztere Auszeichnung „vielleicht ein kleines bisschen tiefer“, witzelte Bullock über den Schmähpreis als schlechteste Schauspielerin, den sie am Vortag für den Leinwandflopp „Verrückt nach Steve“ in Empfang genommen hatte. Damit werde ihr der Erfolg bestimmt nicht zu Kopf steigen. Doch zunächst hatte Bullock ganz andere Sorgen: „Ich möchte jetzt nur einen Burger und etwas zu essen.“

Waltz lässt sich treiben

Nach dem nervenaufreibenden Warten bei der Preisverleihung waren die erleichterten und ausgezeichneten Filmstars in Partylaune. Auch Christoph Waltz wollte feiern. „Ich lass’ mich treiben“, sagte er versonnen, mit dem Oscar für den besten Nebendarsteller in der Hand. Die Erfahrung der zurückliegenden Monate sei „schwindelerregend“ gewesen. „Es war einfach fantastisch. Morgen wird es mir vielleicht leidtun, dass es vorbei ist.“

Artikel vom 09.03.10 - 11:00 Uhr
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