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50-Seiten-Kritik: Hummel Dumm

Der Titel verrät es schon: mit „Hummel Dumm“ schließt Tommy Jaud nahtlos an seine vorherigen Bestseller an. Wer von einem Buch eine sinnvolle Geschichte erwartet, ist hier falsch. Wer herzhaft lachen möchte und sich am Pech anderer Menschen weiden kann, sollte „Hummel Dumm“ unbedingt lesen. Von Yvonne Stock

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Als „Comedy-Roman“ bezeichnet der Verlag passenderweise das Buch. Jaud nennt es „Das Roman, ne“. Der Inhalt der ersten 50 Seiten ist schnell erzählt. Matze und seine Freundin Sina machen Urlaub in Namibia. Sina sollte „irgendwas“ buchen. Im Rückblick fragt sich Matze: „Musste dieses irgendwas ausgerechnet eine zweiwöchige Gruppenreise durch ein Land sein, in dem jede hüftkranke Schildkröte schneller ist, als das Internet?“


Schon als Matze die Reisegruppe erblickt, möchte er sofort in den nächsten Flieger zurück nach Frankfurt steigen. Natürlich spielt Jaud dabei ordentlich mit den deutschen Klischees. Ein alter Mann stellt sich vor: „Der junge Sebbelbeter aus Bamberch.“ Als er etwas irritiert nach dem Grund für „jung“ gefragt wird, antwortet er: „Na, vom alden Sebbelbeder der Sohn hald!“


Als eine junge Wetteransagerin aus dem Fernsehen hört, dass es gleich am ersten Tag durch das Armenviertel geht, muss sie sich schnell auf der Toilette umziehen, damit sie „arm“ aussieht. Genau diese Brenda fragt dann auch, als sie durch Windhoek fahren: „Kann man hier gut shoppen?“ Und natürlich kommt, was kommen muss, ihr Freund sagt leicht angenervt: „Du hast doch alles!“ Mancher Witz, den Jaud einbaut, ist also schon ziemlich alt und damit auch ziemlich vorhersehbar. Aber meistens fällt ihm etwas wirklich Originelles ein.

 


 

Zum Buch:
Titel: Hummel Dumm
Autor: Tommy Jaud
Verlag: Scherz
Erschienen: Februar 2010
Seiten: 303
Preis: 13,95 Euro
ISBN: 978-3-502-11037-8

 


 

Matzes Verzweiflung angesichts dieser Reisegruppe mit der er die nächsten zwei Wochen verbringen soll, ist einfach spitze. Und wenn man denkt, dass er damit wirklich genug gestraft ist, setzt Jaud noch einmal einen oben drauf. Kurz vor dem Urlaub hat Matze für Sina und ihn eine neue Wohnung ausgesucht. Sina hat deshalb selbstverständlich den neusten Ikea-Katalog dabei, um in den Pausen die neue Wohnung in Gedanken schon einmal einzurichten und fleißig Eselsohren in den Katalog zu knicken. „Es mussten mindestens 100 Eselsohren sein mittlerweile, und ich fragte mich, ob sich die für unsere Wohnung in Frage kommenden Möbel nun auf den Seiten mit oder ohne Knick befanden.“


Matze bekommt ausgerechnet auf dem Markt im Armenviertel eine SMS von seinem Makler auf sein nagelneues I-Phone, dass er nicht vergessen solle vor seinem Urlaub die Reservierungsgebühr zu überweisen. Natürlich hat er es vergessen. Und natürlich ist danach sein Akku leer und der für die Reise besorgte Adapter will einfach nicht in die namibischen Steckdosen passen. („Der Stecker passte in etwa so gut in die namibischen Steckdosen wie eine Holzofenpizza in den Kartenschlitz eines Geldautomaten.“) Dass auch an der Hotelrezeption weder ein Telefon noch eine hilfsbereite Person ist, versteht sich von selbst, oder?


Ein bisschen Mitleid mit dem armen Matze kommt auf, aber fröhliche Schadenfreude behält die Überhand. Denn der Held von „Hummel dumm“ ist alles andere als dumm und lässt sich zum Glück von so kleinen Widrigkeiten nicht unterkriegen. Und genau deshalb machen die ersten 50 Seiten von „das Roman, ne“ so richtig Spaß. Natürlich ist die eigentliche Geschichte völliger Humbug, aber etwas anderes erwartet bei einem „Comedy-Roman“ auch niemand.


Weiterlesen: Ja, auf jeden Fall. Besonders, wenn es einem so richtig dreckig geht und der Tag einfach nur zum Vergessen war. Nach ein paar Seiten Matzes Urlaubsalbtraum geht es einem wieder richtig gut. Denn dagegen hat man schließlich noch richtig Glück gehabt.


Zum Autor: Tommy Jaud, geboren 1970 in Schweinfurt, war nach dem Abitur Zivi in einem Kindergarten. In den 1990ern hat er als Headwriter die Gags der Wochenschau geschrieben. 2004 erschien sein erster Roman „Vollidiot“, der mit Oliver Pocher in der Hauptrolle ins Kino kam. Der Folgeroman „Millionär“ war bereits Jauds drittes Buch. Seine Lesereise im März bringt ihn bei uns im Norden leider nur nach Hamburg, Hannover und Braunschweig. www.tommyjaud.de


 

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Artikel vom 24.02.10 - 18:15 Uhr
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