„Dating Berlin“ von Sonia Rossi ist der Folgeroman zu „Fucking Berlin“. In dem hat sie ihr schwieriges Leben als Teilzeithure, Studentin und später auch Schwangere verarbeitet. Aber keine Sorge, die beiden Romane sind kein langweiliges Psycho-Gequatsche in Tagebuchform. Im Gegenteil, Sonia Rossi schreibt richtig flott. Nicht besonders anspruchsvoll, dafür leicht lesbar und sehr unterhaltsam.
Sonia versucht es – wie so viele – über ein Datingportal im Internet. Da die Italienerin gut aussieht, ist die Zahl potentieller Kandidaten groß. Sie entscheidet sich für ein Treffen mit Andre. Bis zu einem eher zufälligen Gespräch über Kinder, denkt Sonia noch das große Los gezogen zu haben. Aber dann erzählt Andre ganz nebenbei, dass er übrigens Vater einer Tochter sei, die er nicht sehen wolle. Dafür zahle er ganz pünktlich seine Alimente. Diese Einstellung kann die alleinerziehende Mutter Sonia natürlich nicht akzeptieren und Mann Nummer Zwei muss her.
Das ist Björn. Björn ist Single-Papa, seine Frau ist ins Ausland verschwunden. Er ist eigentlich genau so, wie Sonia sich einen guten Partner vorstellt: Zuverlässig, kennt sich mit Kochen, Waschen und Putzen aus und Erziehungsdiskussionen sind für ihn ein Heimspiel. Es gibt nur zwei Probleme: Es funkt bei Sonia nicht und Björn weiß nichts von ihrem ehemaligen Leben als Teilzeit-Hure. Sie weiß aber, er könnte das nie akzeptieren.
Für Sonia gehört ihre Vergangenheit aber einfach zu ihr und sie ist froh, dass die ewigen Versteckspiele vorbei sind. „Statt Unterhaltungen über latexfreundliche Gleitgels und die besten Blastechniken zu führen, sitze ich jetzt auf einer Couch und plaudere über den Umgang mit dem Fernseher bei Kleinkindern.“ Ganz offen schreibt sie auch in ihrem zweiten Buch über Sex, aber ohne dabei so zwanghaft mit vermeintlichen Tabus brechen zu wollen, wie das zum Beispiel Charlotte Roche in „Feuchgebiete“ gemacht hat.
Mann Nummer Drei taucht in den ersten 50 Seiten nicht mehr auf. Aber laut Inhaltsverzeichnis dauert die Suche nach Mr. Right noch etwas länger …
Weiterlesen? Klar, aus zwei Gründen: Man fühlt sich so entspannt und sorglos, wenn man über Sonias stressiges Leben liest. Und natürlich will man wissen, ob sie ihren Mr. Right noch findet.
Zur Autorin: Das Buch ist autobiografisch. Die gebürtige Italienerin Sonia Rossi ist Mitte 20, und hat sich ihr Mathematikstudium durch Prostitution finanziert. Sie lebt mit ihrem Sohn immer noch in Berlin. Sie gibt aber den Hinweis, dass sie die Namen und Orte „aus Gründen der Diskretion“ geändert hat.
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