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50-Seiten-Kritik: Am Ende des Winters

So lange hoffen wir schon, dass der Winter endlich zu Ende geht. Wird also Zeit, dass wir ein dazu passendes Buch vorstellen. „Am Ende des Winters“, heißt der Erzählband von Olivier Adam. Eine gelungene Einstimmung auf den Sommer? Von Yvonne Stock

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Cover: Piper

Um es gleich vorweg zu nehmen, nein, es ist keine gelungene Einstimmung. Nach den ersten 50 Seiten dieses Buchs fühlt man sich, als wäre man zurück in der Eiszeit. Es sind unglaublich traurige, deprimierende, melancholische, aber trotzdem genial geschriebene Geschichten, die der Franzose Olivier Adam da erzählt.


Zum Buch:
Autor: Olivier Adam
Titel: Am Ende des Winters - Erzählungen
Verlag: Piper
Erschienen: 2010 als Taschenbuchausgabe bei Piper, die französische Originalausgabe erschien bereits 2004
Seiten: 156
Preis: 7,95 Euro
ISBN: 978-3-492-25244-7
Zum Beispiel von einem Lehrer, der ein Jahr Urlaub nehmen musste, weil er sich vor den Augen der Schüler mit einer anderen Aufsichtsperson geprügelt hat. Ohne Plan und ziemlich ausgebrannt versucht er mit seinen beiden Mädchen klarzukommen. Seine Ehe scheint am Ende. Das geht der Säuglingsschwester nicht anders. Sie hat anscheinend ihr eigenes Kind verloren. Mit ihrem Mann hat sie sich nichts mehr zu sagen und zieht am Ende der Geschichte aus. Der Taxifahrer in der dritten Geschichte scheint nicht ganz so fertig zu sein. Dafür fährt er eine Japanerin durch die Stadt, die vermutlich die Asche eines Toten dabei hat und mit den Nerven völlig am Ende ist.  


Verdammt viel muss der Leser bei diesen Geschichten leisten. Olivier Adam erklärt nichts, er erzählt einfach mitten aus dem Leben seiner Protagonisten. Die Zusammenhänge und Hintergründe lässt er einfach außen vor. So lässt er den Leser mit vielen Fragen alleine. Warum ist der Säugling von der Krankenschwester tot? Wessen Asche hat die Japanerin dabei und warum ist sie so sehr neben der Spur? Warum hat der Lehrer sich vor den Augen seiner Schüler geprügelt? Fragen über Fragen, aber Olivier Adam verweigert einfach die Antwort. So ist das Lesen seiner Erzählungen verdammt unbefriedigend.


Natürlich kann man jetzt argumentieren, es ginge bei „Am Ende des Winters“ nicht so sehr um die Inhalte. Es ginge um die Erzählweise und die Sprache, mit der der Franzose ganz wunderbar Stimmungen und Atmosphäre rüberbringt. Nur, warum müssen alle seine Geschichten so verdammt deprimierend sein? Spätestens nach drei Geschichten ist der Leser völlig mutlos, weil selbst der Auszug der Krankenschwester nicht als hoffnungsvoller Neubeginn in eine glückliche Zukunft rüberkommt, sondern mehr als allerletzer Ausweg vor dem völligen Zusammenbruch.

 


Zum Autor:
Olivier Adam, geboren 1974 in Frankreich, ist Buch- und Drehbuchautor. In Frankreich hat er schon einige Preise eingeheimst und wird als großer Autor der französischen Gegenwartsliteratur gehandelt. Olivier Adam ist verheiratet und hat eine Tochter.
 

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Artikel vom 10.03.10 - 18:06 Uhr
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